Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Seit einem guten Monat leben Hundi und ich in unserer „Bude auf dem Land“. In Rosien, gelegen in den idyllischen Elbtalauen.

Drinnen jedenfalls hat inzwischen alles einen Platz gefunden. Was längstens nicht heißt: seinen rechten Platz. Dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, beweist sich erst so richtig nach einem Umzug! Der Griff zum Halter mit der Rolle? In Steglitz hieß es elf lange Jahre lang: nach rechts. Hier greife ich rechts ins Leere.

auf Sand gebaut ? © GvP

Noch ein Beispiel gefällig? Bitte sehr. In Steglitz lagerte die kleine Gartenschere für die Balkonpflanzen in der oberen Küchenschublade links neben dem Herd. In Rosien öffne ich auf der Suche nach der Schere nicht erst eine, sondern sämtliche Schubladen in der Küche. Natürlich ohne Erfolg, da ich die Gartenschere – im Übrigen ein etwas größeres Exemplar als die Schere in Berlin – gemeinsam mit den anderen Utensilien für den – zugegebenermaßen noch nicht real existierenden Garten – im Hauswirtschaftsraum untergebracht habe.

Gartenhaus, ähm -häuschen mit Carport; so es jemals fertig wird © GvP

Eigentlich gehören die „sieben Sachen“ in das eigens dafür vorgesehene Gartenhaus, das es aber noch ebenso wenig wirklich gibt wie die auf Papier geplanten Außenanlagen „Park“, „Country“ und „Welcome“. Die Wände müssen noch verputzt werden. Danach erst kann der Tischler für das Tor Maß nahmen. Erst wenn das Gartenhaus ein Tor hat, können die Gartenwerkzeuge dort rein. Das liegt doch auf der Hand! Aber wetten? Wenn dem dann endlich einmal so sein sollte, dass ein Tor drin ist und die Utensilien für den Garten dort lagern, wo sie hingehören, werde ich sie noch lange im Hauswirtschaftsraum suchen.

Noch herausfordernder als das Chaos im Kopf in den Griff zu bekommen, weil Schubladen- und Schrankinhalte nicht mit den Inhalten übereinstimmen, die ich aus Steglitz gewohnt bin, ist das Drumherum um unsere „Bude auf dem Land“. Kein Ende will das Aufräumen nehmen. Was sich in zwanzig Jahren auf der ungenutzten Fläche so alles angesammelt hat: etwa eine halbierte Kopfstütze vom Trabi, Kinderschuhe, Feinstrumpfhosen, Sohlen, rostige Schrauben und riesige Nägel, Altmetall, Plastik und Glas noch und nöcher. Jutesäcke und natürlich ganz viel Altholz. All‘ das will händisch aufgesammelt werden… Immerhin: die Schubkarre kriege ich inzwischen sicher auf dem holprigen Untergrund bewegt.

das ist eine Schubkarre! © GvP

Von dieser Plackerei abgesehen. Nie zuvor im Leben hatte ich einen Gartenschlauch in der Hand. Warum auch? Hier allerdings für mich ein Muss, so die Sandwüste, die den Bungalow umgibt, jemals grün werden soll. Das Gardena-Stecksystem mag Spitzenklasse sein. Für jeden Laien leicht zu bedienen. Für mich? Ein Buch mit sieben Siegeln. Wie kriege ich den Schlauch an den Hahn, wie zwei Schläuche aneinander und, verdammt, wie funktioniert die Brause? Ich muss das können, weil einige Bäume und Sträucher bereits im Sand stehen und täglich viel Wasser bedürfen.

Eigentlich schon jetzt viel zu viele, die von mir täglich gegossen sein wollen. Aber viel zu wenige für das riesige Grundstück. Drei Blumenhartriegel, drei Blutpflaumen, sieben Perlmuttsträucher, fünf Felsen-Kupferbirnen, ein Apfel namens „Rudolph“, vier Bauernjasmin, 30 Rispenhortensien, zwei Süßkirschen mit dem verheißungsvollen Namen „Sunburst“ und 125 Phlox paniculata „Natural Feelings“.  Zugegeben, nicht ich habe das alles gepflanzt, sondern Torsten Kallweit‘s Männer unter kundiger Anleitung von Gärtner Björn Schabert.

Malus „Rudolph“ wartet auf Wasser. Im Hintergrund einige durstige Rispenhortensien. © GvP

Zuschreiben kann ich mir aber, 340 Liter Rindenmulch um die 180 Pflanzen verteilt zu haben und sie inzwischen unterscheiden und sogar beim Namen nennen zu können. Der Apfelbaum? Der heißt tatsächlich Malus „Rudolph“.

Ein Gedanke zu “Impressionen von der Baustelle – Klappe, die Letzte

  1. Räuber Hotzenplotz sagt:

    Es klingt ja auch ein wenig Stolz auf das Geleistete in diesem Beitrag heraus, aber öfter auch schon „der Ruf“ nach Mitleid … den ich zwar verstehen, aber doch eigentlich nicht verstehen will. Vom Stadt -zum Landmenschen zu mutieren, ist wohl eher schwieriger, als umgedreht … aber ein selbst gewähltes „Glück“.

    Das „Klagen“ würde ich aus den Zeilen künftig herauslassen … du könntest es doch eher positiv sehen und mit Freude darüber schreiben, wie sich alles so weiterentwickelt. Lotta ist bei dir und mit Sicherheit überglücklich.

    Abgesehen von allem, hier noch ein Tipp! Lass dir eine Zisterne aufs Grundstück setzen, in die das Regenwasser (wenn es denn mal regnet) fließt und von der aus du künftig deine Bäumchen, Sträucher, Koniferen und Blümelein mit dem wichtigen Wasser begießen kannst. Regenwasser ist deutlich besser, als Leitungswasser für die Pflanzen und es kostet nichts. Und immer darauf achten … nie zuviel gießen!! Denn sonst gewöhnen sich die Wurzeln der Pflanzen daran und werden „schwach“, eben weil sie nicht die Nähe nach weiter unten suchen und damit verbunden deutlich stabiler wachsen.

    @sandiger Boden
    Auf solchen Böden gibt es eher weniger Schnecken und unliebsame Schmarotzer … nutze diesen fantastischen Boden zum Anbau von Gemüse, Salat usw.

    In diesem Sinne … Licht aus! … und alles Gute, bzw. viel Erfolg 🙂

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