Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Mit dem Mulchen habe ich es nicht so. Davon abgesehen, dass ich anfangs gar nicht wusste, was damit gemeint ist, welchen Zweck das erfüllt, noch was man dafür braucht und welche Tätigkeiten im Garten damit verbunden sind. Ich kannte den Begriff schlichtweg nicht. Wie alle anderen Begriffe versteht sich, die zum Wortschatz eines Gärtners gehören. Warum auch sollte ich die Sprache jener beherrschen können, auf deren Terrain ich mich bis zu meinem Auszug aus Berlin noch nie bewegt habe?

Dann zog ich auf’s Land. Ab meinem Einzug fiel der Ratschlag, zu mulchen. Verschiedentlich. Mit Blick auf die regenarme Gegend und die Beschaffenheit des Bodens, auf dem ich gedachte, eine grüne Wohlfühloase erschaffen zu wollen, wurde er immer dringlicher: Unbedingt mulchen. Unter allen Umständen die Phlox, den Bauernjasmin und die Rispenhortensien!!!

Lotta-Filipa steht vor Mulch © GvP

Ich begann, mich dafür zu interessieren, was man fürs Mulchen braucht, und schnappte in diesem Zusammenhang einen – mir ebenfalls völlig unbekannten – Ausdruck auf: Rindermulch. Einen Reim konnte ich mir darauf keinen machen. Geben Rinder Mulch? Da ich von Rindern ebenso wenig verstehe wie vom Gärtnern, schob ich die Frage einfach beiseite und orderte bei den beiden hiesigen Fachbetrieben jeweils einen Sack Rindermulch. Angeliefert wurde von Blumen-Jasker ein 60-Liter-Sack und vom Haul Baumarkt kam ein Sack mit 70 Litern. Mir schwante Böses. Wer mulcht, muss sehr viel mulchen und noch dazu dabei ziemlich schwer tragen.

Das, was in den Säcken steckte, roch zu meinem Erstaunen kein bisschen nach Rind. Meinte meine Nase zumindest erkannt zu haben, obschon mir olfaktorische Erfahrungen mit Rindern völlig abgehen. Es sah eher aus… Ja, wie? Na, wie zerkleinerte Rinde vom Baum. Volltreffer. Obschon ich mit Baumrinde bislang auch nichts am Hut hatte, klopfte ich mir innerlich auf die Schulter. Gemulcht wird mit Baumrinde!

so wird nicht gemulcht! © GvP

Das „mit Was“ hatte ich also geklärt. Blieb die Frage „wie?“ Nicht zögern, sondern anpacken, mahnte meine innere Stimme mit Blick auf die grüne Wohlfühloase in spe. Mit dem 60-Liter-Sack kam ich unter Aufbietung aller meiner Kräfte wenigstens halbwegs klar. An meinen Grenzen hingegen mit dem 70-Liter-Sack. Da ich ihn nicht anheben konnte, zog ich ihn ächzend über das Gelände hinter mir her. Für alle, die jetzt aufstöhnen und sich ob meiner dilettantischen Art, zu gärtnern, an den Kopf fassen: Nein, der Rasen und die Blumenwiese waren damals noch nicht gesät!

Da ich nicht wusste, wie und warum man mulcht, bin ich nach längerem Nachdenken zu der Schlussfolgerung gelangt, dass man um die Wurzeln herummulcht. Eine logische Erklärung hatte ich dafür auch: Wurzeln werden gemulcht, um sie zu schützen. Etwa vor Tieren, die auf Wurzelgemüse stehen, oder Schädlingen, die sich auf Wurzelbehandlungen spezialisiert haben, die bekanntlich alles andere als angenehm sind .

mein riesen Berg Rindenmulch © GvP

Drei geschlagene Tage bin ich damit beschäftigt gewesen, möglichst gleichförmige Kreise um meine 60 Phlox, 9 Bauernjasmin und 19 Rispenhortensien zu legen. Zu meinem Erstaunen ging der Mulch weg wie nix. Das erleichterte zwar das Schleppen der Säcke, ließ mich aber befürchten, abermals einen 60- oder gar 70-Liter-Sack ordern und dann wuchten zu müssen. Da ich das unter allen Umständen vermeiden wollte, wurden meine Kreise um die Wurzeln der Pflanzen auf den letzten Metern immer kleiner. Auch dafür hatte ich eine logische Erklärung: Groß können die Wurzeln von frisch gepflanzten Phlox, Bauernjasmin und Rispenhortensien ja noch gar nicht sein!

Dann kam Björn Schabert, der alles angepflanzt hatte. Sein Blick war spöttisch, als ich ihm stolz die Ergebnisse meines Mulchens präsentiert hatte. Man mulcht keine einzelnen Pflanzen, man mulcht das ganze Arenal. Anderenfalls wuchert Wildkraut die Pflanzen zu, so seine klare Ansage. Mein Blick fiel auf das Beet mit den Phlox. Viel zu erkennen war von ihnen tatsächlich nicht mehr.

Ich nahm mir vor, ab sofort professionell zu mulchen. Zuvor hieß es aber, Unkraut jäten, wo breiträumig gemulcht werden sollte. Damit bin ich seit Wochen gut beschäftigt. Wie dargelegt, jäten mag ich sehr. Mulchen hingegen ist nicht so mein Ding. Zwar schleppe ich inzwischen keine schweren Säcke mehr. Sondern lade von Riesenberg Rindenmulch, den mir Peter Arndt freundlicherweise im hiesigen Sägewerk besorgt hat, eimerweise Mulch in die Schubkarre, die ich dann so vorsichtig wie möglich auf dem Gelände rangiere. Denn dem Rasen, der inzwischen hochschießt, darf kein Härchen gekrümmt werden.

richtig gemulcht! © GvP

Trotz dieser Erleichterung ist Mulchen nicht mein Ding. Rindenmulch riecht zwar ganz gut; nach Wald und ätherischen Ölen. Er kitzelt aber in der Nase und piekt meine Hände. Obschon ich seit meinem ersten Versuch, die Schubkarre mit bloßen Händen zu befüllen, Gartenhandschuhe trage. Und jucken tut Mulch auch. Überall auf der Haut. Nach dem Mulchen verspüre ich das dringende Bedürfnis, zu duschen. Dafür habe ich aber keine Zeit, da der Rasen und die Blumenwiese gewässert werden müssen!

7 Gedanken zu “Die Freude beim Gärtnern. Klappe, die Zweite

  1. Räuber Hotzenplotz sagt:

    Und es kommt der Tag, wo du nicht nur „das Gemulchte“ von Wildkraut befreien solltest, sondern auch die Unmenge Wiese (Rasen?) im Griff behalten musst. Rasen wächst wie Unkraut und will ständig kurz gehalten werden … sonst wuchert er aus. Die beste Idee hierfür sind das Anlegen größerer Flächen Blumenwiese, die man nur zweimal im Jahr mit der Sense mäht … ansonsten ist eine Wildblumenwiese sehr nützlich für die Umwelt (Wildbienen usw. )

    @Apropos gärtnern …
    Mach mal den Versuch mit einem kleinen Bereich zur Selbstvorsorge … Zucchini, Salat, Gemüse aller Art … sowas macht nicht nur Sinn … es ist auch ein kleiner Ausgleich zu der schweren Gartenarbeit, die dir noch bevorsteht.

    Fazit?
    Wenn du einmal Rasenmähen verfluchen wirst … die beste Lösung für einen Garten ist ein biologisch angelegter Strauch -und Koniferengarten … ohne viel Rasenflächen, aber mit viel Gehölzen, Rosen und was man sonst noch so zum Glücklichmachen anlegen kann.

    Im Moment sieht es so aus, als würde dich jetzt schon das eine oder andere belasten … ich habe 38 J. Erfahrung mit dem Leben auf dem Land und weiß wovon ich schreibe. Kurzum … versuche jetzt schon, nicht zuviele Rasen oder Wiesenflächen zu schaffen … kleine Gehölze, Koniferen und „sonstiges Gestrüpp“ ist auf Dauer leichter zu händeln.

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    1. danke für deine hilfreichen Tipps. Offenbar wurde hier schon viel richtig gemacht: mehr Blumenwiese als Rasen gesät; und Gehölze. Was Zucchini, Salat, Gemüse etc. anbetrifft. Macht hier wenig Sinn, denn ich wüßte nicht, was ich damit (vermutlich in der Küche) anfangen soll

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      1. Räuber Hotzenplotz sagt:

        Ach … ich denke bezüglich Zucchini … das „Konsorten aus dem Hause Gemüse“ eine vortrefflich leckere Beilage zu Spaghetti sein kann … nicht zuletzt lässt sich aus dem eben genannten „Konsortium“ die eine oder andere verdammt schmackhafte Soße zubereiten, die seinesgleichen sucht. Dazu gäbe es frisch gepflückten Salat zur Pasta … der schon wegen der Vinaigrette und den beigefügten Zutaten ein Hochgenuß ist … alles das genießt man dann bei Kerzenlicht auf der neuen Terrasse und lebhaften Sonnenuntergang (ich denke da an viele Himmelserscheinungen)

        Zuguterletzt gehört der gepflegt gute Wein dazu, mit dem man dann dieses eigentlich banale Gericht genüßlich „runterspült“. LG. 🙂

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      2. nun, Nudeln krieg ich hin. Deine vorgeschlagene Beilage macht mir Kopfzerbrechen. Wein? Krieg ich auch hin, so ich den Korken raus kriege

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      3. Räuber Hotzenplotz sagt:

        … kurzum … es ist an der Zeit!

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