Rosiener Notizen

Vom und über das Land


Altmetall © GvP

Einst hat sich auf meinem Grundstück in Rosien eine traditionsreiche Gaststätte befunden. Nämlich die legendäre „Mosel“ mit einem großen Festsaal, wie mir erzählt wurde. Dass man dort vorzüglich speisen konnte, weiß ich sogar aus erster Hand. Vom Bruder meines Vaters, der sich nach der „Wende“ verschiedentlich nach Melkof aufgemacht hat, wo mein Vater und er einen Großteil ihrer Kindheit verbracht haben. Auf dem Weg dorthin kehrte Hoyer verschiedentlich in der „Mosel“ ein, um vorzugsweise Wild zu essen. Sein Bedauern ist groß gewesen, als er eines Tages vor verschlossenen Türen stand und ihm sein Leibgericht in der „Mosel“ fortan verwehrt war. In Erinnerung ist mir diesbezüglich Wildschweinsülze geblieben.

dicke Brocken © GvP

Wann und aus welchen Gründen die Bewirtschaftung aufgegeben wurde, ist mir leider nicht bekannt. Berichtet wurde mir inzwischen von Hiesigen, dass das Gasthaus um 1995 dicht gemacht hat. Kolportiert wurde mir auch, dass die „Mosel“ dann als „Rote Laterne“ geführt wurde. Zumindest kurzfristig. Viel Verkehr kann in den Räumlichkeiten damals jedenfalls nicht geherrscht haben. Denn alsbald ist das Gebäude dem Zerfall preisgegeben worden.

Zur „Mosel“ haben verschiedene Nebengebäude gehört, offenbar eine Menge Stallungen und Scheunen. Ich habe mir sagen lassen, dass der Blick auf den „Himmel über Rosien“, den ich bei Tumblr poste, durch die vielen Gebäude komplett verstellt gewesen sein soll. Da muss etwas dran sein. Denn beim Gärtnern und Graben denke ich mir verschiedentlich, dass unter meinem Grundstück das verschüttete Pompei liegt. – Vom vielen Unrat erst gar nicht zu reden, der sich im Verlauf vieler Jahrzehnte dort angesammelt hat.

Wrack Saporosch © GvP

Gefunden und ausgegraben habe ich inzwischen so allerlei. Dicke Brocken wie Altmetall, Backsteine und Granitblöcke oder in Gänze erhaltene Wohntüren. Dass es in der „Mosel“ sehr gesellig zugegangen ist, davon zeugt das viele Leergut, das sich bisher auftat. Glasscherben hebe ich noch und nöcher… Skurrile Fundstücke wie ein Paar Damenschuhe und ein einzelner Kinder-Gummistiefel sind auch darunter gewesen. Die zahlreichen Feinstrumpfhosen, die ich bislang aus der Erde gezogen habe, könnte man womöglich für Beweisstücke für die Existenz der „Roten Laterne“ halten? Die aufgefundenen Spritzen würde ich eher einem Veterinär zuordnen wollen.

Deospray der Sonderklasse © GvP

Erinnerungen an die DDR-Zeit sind unter meinen Fundstücken auch dabei gewesen. So etwa eine halbe Kopfstütze, die ich unschwer einem Trabbi habe zu ordnen können. Die Marke des auf dem Grundstück gelagerten Autowracks ist mir zunächst nicht geläufig gewesen. Erst später sollte ich erfahren, dass es sich um ein sowjetisches Modell handelt, nämlich einen Saporosch. Das Herz ist mir aufgegangen, als ich vor einigen Tagen auf eine – leider leere – Dose „Atoll frisch“ gestoßen bin. Das ist ein zu DDR-Zeiten begehrtes Deodorant gewesen, das als internationales Spitzenprodukt gehandelt wurde.

Wer es noch genauer wissen möchte, beziehungsweise wer „Atoll“ riechen mag, dem kann geholfen werden. Denn die Deo-Duft-Komposition ist auf der Dose beschrieben. Dort heißt es über „Atoll frisch“: „Ein Deospray der Sonderklasse mit einem Hauch von Südseewind. Der Deospray für Anspruchsvolle, die herrliche Frische lieben, Frische für den ganzen Tag.“

P.S.: Ich würde mir allzu gerne in Sachen Geschichte des Grundstückes und der Gaststätte „Mosel“ auf die Sprünge helfen lassen. Vielleicht weiß ja wer was?

Ein Gedanke zu “Fundstücke und Prunkstücke auf meinem Grundstück

  1. Gerd sagt:

    Zum Fundstück Deo möchte ich anfügen, dass es jemanden gibt, der DDR Düfte gesammelt und kuratiert hat, die Düfte-Sammlerin, so hat sie die Presse genannt, heißt Kerstin Zimmermann. Wenn ich richtig liege, betreibt sie die Webseite: http://www.ddr-parfum.de

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