Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Seit einiger Zeit schlage ich neue Töne an. Setze einen Vorsatz um, der mich genau genommen seit Kindertagen begleitet. Nämlich als ein Leihklavier ins Haus gekommen war und wöchentlich eine Lehrerin. Die aber nicht mir, sondern meinem jüngeren Bruder Stunden gab.

Mir hatte meine Mutter ein anderes musisches Fach zugedacht. Ballettunterricht. Geschadet hat mir das nicht. Im Gegenteil. Ich begann schnell Freude an grazilen Bewegungen im rhythmischen Takt zu entwickeln, mich zu Musik zu bewegen. Obschon manche Exercises schmerzhaft gewesen sind und ich anfangs Mühe hatte, in Spitzenschuhen zu tanzen. Später dann – als ich den Ausdruckstanz, Flamenco und Stepptanz entdeckt hatte – kamen gewisse Stärken zum Vorschein, die sogar für kleinere Choreografien gereicht haben.

Verlassen hat mich der Wunsch nie, Klavier spielen zu können. Vielleicht ist auch Eifersucht oder gar Missgunst im Spiel gewesen? Jedenfalls wollte ich das unbedingt ebenfalls haben, was meinem Bruder in unserer Kindheit zuteilgeworden war. Wenn auch nur für eine kurze Zeit, da er weder Lust zum Üben noch Talent hatte.

jeder Anfang ist schwer © GvP

Nachdem mir vor gut 15 Jahren ein ausrangiertes Klavier geschenkt worden war, glaubte ich die erste Hürde genommen zu haben. Der lange gehegte Vorsatz scheiterte allerdings erst an der Erkenntnis, dass mein Vorhaben sehr viel schwieriger war als gedacht. Dann am inneren Schweinehund. Trotzdem zog das Klavier mit mir um. Erst von München nach Berlin, dann von Berlin nach Rosien.

Hundi übt… © GvP

Über die vielen Jahre war es nicht mehr stimmbar geworden. Kurzerhand ließ ich neue Saiten aufziehen. Dann besorgte ich mir Noten- und Klavierschulen, zuletzt ein Metronom. Den Schweinehund habe ich überwunden. Ich trichtere mir das Notenlesen ein und übe vom Blatt zu spielen. Zugegebenermaßen klang das ziemlich schräg. Offenbar vor allem für Lotta-Filipas feine Hundeohren. Immer wenn ich mich ans Klavier gesetzt habe, verzog sie sich möglichst weit vom Instrument entfernt. Bei ganz schlimmen Missklängen jaulte sie sogar auf.

Inzwischen scheine ich Fortschritte gemacht zu haben. Bilde ich mir jedenfalls ein. Denn: wenn ich übe, sucht Hundi neuerdings meine Nähe.

4 Gedanken zu “Ganz neue Töne

  1. Leo V. Stieglitz sagt:

    Mit diesen Nachholwünschen bist Du nicht allein

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    1. nimm es in Angriff!

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  2. das Argument mit dem nähesuchenden Hund überzeugt. Die Angelegenheit macht ganz offensichtlich Fortschritte. Ich melde mich deshalb schon mal sicherheitshalber auf was Vierhändiges bei Gelegenheit an, falls die Plätze rar werden; es gibt da einfache Sachen vom Herrn Mozart beispielsweise, dazu könnte man einen Tee nehmen…..

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    1. Lieber Ulrich Kasparick,
      über einen Besuch von Ihnen würde ich mich besonders freuen, über ein kleines Konzert nicht minder. Allerdings dürfte es noch lange dauern bis ich mithalten kann.

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