Rosiener Notizen

Vom und über das Land

In diesem Beitrag geht es zuvörderst um den Hund, auf den ich 2013 gekommen bin, als ein Welpe bei mir einzog. Den knapp acht Wochen alten mutmaßlichen Wühltischwelpen hatten aufmerksame Passanten in einem Pappkarton an einem Berliner See aufgefunden und das todkranke Tier ins Tierheim gebracht. Nachdem man ihn aufgepäppelt hatte, kam er zu mir. Er krempelte mein Leben um und entpuppte sich – laut einer DNA-Analyse, die ich aus Neugierde machen ließ – zudem als ein nahezu reinrassiger temperamentvoller Rat-Terrier. Der Rasse, die traditionell auf Farmen und Schiffen gehalten wurde, wird nachgesagt, dass deren Abkömmlinge 100 Ratten in nur sechs Minuten stellen können.

Hundi in ihrem Element: Buddeln © GvP

Ich hatte mich mit der Entscheidung nicht leichtgetan, einen Hund aufzunehmen. Freilich machte es mir Klein-Lotta-Filipa relativ leicht, mich mit einem Leben als Hundehalterin anzufreunden. Ich war viel mehr an der frischen Luft als früher, lernte neue Menschen kennen und hatte im Alltag mehr Spaß. Schnell wurde mir klar, dass Hundi das Beste war, was mir passieren konnte. Mutmaßlich trug sie auch nicht unwesentlich zu der Entscheidung bei, aufs Land zu ziehen. In einer Großstadt, allemal in der Metropole Berlin, die sich zunehmend hundeunfreundlicher gerierte, schien mir ein glückliches Hundeleben immer weniger möglich. Wir zogen im April 2020 nach Rosien in ein eigenes Haus mit großem Grundstück. In ein Hundeparadies. Wie mir schien.

Doch wider Erwarten brachen für Lotta-Filipa keine paradiesischen Zeiten an. Sie wurde zunehmend von ihren Rat-Terrier-Genen dominiert und entwickelte sich zu einem Arbeitstier. Chillen auf dem Sofa oder dem Hundekissen waren plötzlich nicht mehr so ihr Ding. Vielmehr begann sie sukzessive auf ihre Art mit dafür zu sorgen, dass uns ein gutes Leben auf dem Land möglichst gut gelingt.

der Wächter des Gartens © GvP

Längst arbeitet sie im Haus und auf dem Hof aktiv mit. Obwohl sie davon noch weniger versteht als ich, unterstützt sie mich tatkräftig beim Gärtnern. Wenn ich dem Unkraut zu Leibe rücke, buddelt sie an meiner Seite. Mit Obacht wohlgemerkt, damit nichts frisch Gepflanztes ihrem Tun zum Opfer fällt. Hoch anzurechnen ist ihrem hündischen Instinkt, dass sie beim Wässern an sich hält. Denn im Gegensatz zu den anderen vier Hunden, die nebenan bei Sabine leben, hebt sie ihr Bein an meinen Pflanzen nicht.

Mit jedem Monat, den wir länger in Rosien leben, scheint Lotta-Filipas Verantwortung für Haus und Hof zu wachsen. Dass sie das Grundstück bewacht, versteht sich von selbst. Und was ihr nicht passt, kommt nicht ins Haus. Eindringlingen, die es dennoch geschafft haben, macht sie den Garaus. Sie versucht es jedenfalls mit Verve. Noch allerdings hat sie nicht eine Fliege oder Mücke geschnappt.

der Überbringer der Nachrichten © GvP

Hundi gibt ihr Bestes, um mich zu entlasten. Sie mahnt – nicht ganz uneigennützig – Pausen an, wenn ich zu lange am Schreibtisch über dem anzufertigenden Buch brüte. Sie trägt die Tageszeitung ins Haus und würde für mich Ratten, Nutrias und Kaninchen jagen. Wenn sie schnell genug wäre. Beim Bäcker in Neuhaus Sonntagsbrötchen für mich besorgen. Wenn sie dürfte. Das unterbinde ich nämlich aus guten Gründen. Abholen in Neuhaus? Kriegt sie locker hin. Wieder nach Hause kommen auch. Allerdings ohne Brötchen. Die hätte sie unterwegs während so mancher Picknickpause genüsslich verzehrt. Und dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen gehabt.

Tatsächlich gibt Hundi ihr Bestes. Bisweilen tut sie des Guten aber doch zu viel. Derzeit jagt sie Wühlmäuse und gräbt dabei unseren Garten um. Nicht zu meiner Freude, versteht sich. Andererseits? Ohne ihren Aktionismus wüsste ich nicht einmal, dass auf dem Grundstück Wühlmäuse leben. Jetzt bin ich gefragt!

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