Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Ehre hat der Winter seinem Namen bisher nicht gemacht. Abermals keine weiße Pracht wie ich sie aus meinen Kindertagen vage in Erinnerung habe. Statt schnee- ist die Jahreszeit regenreich gewesen. Allein im aktuellen Kalendermonat sind in den ersten zehn Tagen solche Mengen gefallen wie in anderen Jahren im gesamten Februar. Die Wiesen und Bäume entlang der Rögnitz stehen unter Wasser. Wäre es kälter könnten die Kinder wie im vergangenen Jahr auf den Wiesen Schlittschuh laufen. Sonne war rar. Die wenigen hellen Stunden tagsüber zeigten sich in einem öden Grau. Entsprechend selten ließ das in der kalten Jahreszeit vom Mais befreite Hinterland seine karge Schönheit sehen. Und Väterchen Frost? Der gab sich heuer ebenfalls keine Ehre. Dafür aber der Wind mit heftigen Sturmböen und Stärken bis zu 100 km/h.

unter Wasser © GvP

Dieser Winter – mein zweiter in Rosien – war nass, grau und trist. Aufs Gemüt schlug zudem die Pandemie. Die Hoffnung, die an der Jahreswende 2020/21 gekeimt hatte, das Virus dank Vakzine in den Griff zu bekommen, erwies sich als Illusion. Trotz dritter Impfung keine Normalität. Die neue Heimat, die ich im April 2020 bezogen habe, kenne ich nur unter Bedingungen von Covid-19. Seitdem ich auf dem Land lebe, bin ich angehalten, Maske zu tragen, Abstand zu wahren und möglichst keine Kontakte zu pflegen. Denkbar schlechte Voraussetzungen, um in einer neuen Heimat Fuß zu fassen.

Hinterland © GvP

Und dann – vor einigen Tagen – Lichtblicke. Auf dem Grundstück strecken erste Krokusse ihre Köpfchen aus dem Erdreich. Es riecht nach Frühling, nach Aufbruch. Die Singschwäne, die hier überwintern, kehren in ihre Heimatländer Finnland, Russland, Polen, Dänemark, Schweden und das Baltikum zurück, die Kraniche kommen aus ihren Winterquartieren wieder ins Amt Neuhaus. Sogar ein erster Storch hat sein angestammtes Nest in Herrenhof bereits besetzt.

Ein Neustart? Rechte Zeit jedenfalls, um Pläne für die kommenden Monate zu schmieden. Für Begegnungen ohne weitgehende Einschränkungen. Oder unsere Einweihungsfeier, die Sabine und ich nach dem Umzug ursprünglich für August 2020 vorgesehen hatten. Derzeit sehen wir sie für August 2022 vor. Und freuen uns darauf, endlich enger mit den Hiesigen in Kontakt treten zu dürfen. Möglichst ohne Maske, die jegliche Mimik, jeglichen Ausdruck verbirgt.

Ein Gedanke zu “Aufs Gemüt

  1. Gerd sagt:

    Na, dann drücken wir mal die Daumen. 🌤️

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