Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Menschen sind eine gar sonderbare Spezies. Hätte ich mitgewerkelt bei der Evolution, hätte ich ihnen eine Portion Instinkt mitgegeben. Menschen durchdenken die Dinge. Ohne Überlegung oder Erfahrungen das Richtige zu tun, geht ihnen ab. Ein Paradebeispiel dafür, dass man mit krampfhaftem Nachdenken nicht immer weit kommt, ist die Suche nach einem geeigneten Namen für mich. Einem Welpen, der seit vier Tagen in Rosien in den Elbtalauen lebt.

keine Lore oder Lisbeth und schon gar nicht Lise-Felice © GvP

Ich räume ein. Gesine kannte mich nicht. Sie hatte lediglich einige Bilder gesehen, die Sabine in der Smeura geschossen und Matthias Schmidt vom Förderverein Tierhilfe Hoffnung auf meiner 18-stündigen Reise aus Rumänien nach Dettenhausen gemacht hatten. Viel wusste sie auch nicht von mir. Dass ich ein Mädchen bin, das mutmaßlich am 7. Januar 2022 geboren und Anfang März 2022 mutterlos und ohne Geschwister in Pitesti auf der Straße gefunden wurde. Ich rechne ihr an, dass sie sich Mühe gegeben hat. Welch‘ Zinnober um einen Namen!

ich bin Käthe! © GvP

Als Reminiszenz an ihre Hündin Lotta-Filipa und Liese-Lotte, Gesines vor 12 Jahren verstorbene Katze, sollte es ein Doppelname sein, der Erste mit L beginnen und zudem Vintage sein. Literatur-, Kultur- und Religionsgeschichten wurden befragt, Nachschlagewerke gewälzt und sich an literarische Protagonistinnen erinnert, die auf Gesine Eindruck gemacht hatten. Heraus kam nichts, jedenfalls kein klangvoller alter Doppelname, den ein vier Monate junger Welpe hätte tragen können.

Nachdem Gesine ihre Umgebung auf der Namenssuche für die Neue im Haus kirre gemacht und das Endergebnis ihrer profunden Recherchen – Lise-Felice – schlussendlich wieder verworfen hatte, schwang sie sich zu intellektuellen Höchstleistungen auf. Darauf muss man erst einmal kommen, dass auf das L im Alphabet ein M folgt und vor dem L ein K steht. Das gleiche Verfahren wie mit dem L begann… Völlig verkopf! Inzwischen war ich längst in Dettenhausen angekommen und auf dem Weg nach Bissendorf, wo mich Gesine und Sabine am Donnerstag, den 12. Mai gegen 16 Uhr in Empfang nehmen sollten. Zwar hatte sie sich auf der 3 1/2-stündigen Fahrt einschließlich diverser Staus den Kopf zerbrochen, einen Namen für mich hatten sie nicht.

Ich war pünktlich, die Beiden kamen etwas verspätet an. Die Begrüßung war stürmisch. Gestatten, ich bin Käthe! Gesine bewies sogar Bauchgefühl: „Stimmt. Du bist Käthe!“

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