Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Verifiziert ist das nicht, was sich über Käthe aussagen lässt. Sie wurde mutmaßlich am 7. Januar 2022 geboren, Ende März 2022 auf der Straße in Pitesti aufgefunden und in der Smeura geborgen, einem Asyl für Streuner- und Straßenhunde. Seit 11 Tagen lebt der vier Monate junge Welpe nach einer 1 1/2 -tägigen Ausreise aus Rumänien in Rosien.

Er schob seit seiner Ankunft bereits zweimal zwischen 15 und 18 Uhr Dienst in der Gemeindebücherei. Den Schnellkurs „Bücherdiebe am Hosenbein bzw. Rockzipfel fassen“ absolvierte er zuvor mit Auszeichnung. Da im Amt Neuhaus keiner auf die Idee käme, Bücher zu stibitzen, ist Käthe für den Job überqualifiziert und langweilt sich, wenn sie Mittwoch- und Freitagnachmittag Dienst tut.

weich gebettet © GvP

Die Aufgabe in der Bücherei nimmt sie dennoch ernst. Alles andere ist Abenteuer, Spiel und Tollerei. Ein Welpe entdeckt die Welt. Dass Käthe bei ihren tapsigen Erkundigungen vielfach über die eigenen Pfoten stolpert und in der Rücken- oder Bauchlage landet, irritiert sie nicht. Die Begeisterung, was es in der neuen Heimat alles aufzuspüren, zu beobachten, zu erforschen und zu schmecken gibt, ist größer. Großartig ist Rasen. Beim Wälzen darauf grunzt sie. Herrlich sind weiche Lagerstätten (mein Bett eingeschlossen), Bälle und Kuscheltiere famos. Am allerherrlichsten aber ist Fressen. Davon kann sie nicht genug bekommen.

Käthe kann super Sitz © GvP

Wenn ich bedenke, dass Käthe aus einem Zwinger kommt – dem Bevölkerten der Welt – und erst wenige Tage bei uns lebt, dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Ich war auf Probleme eingestellt. Dass sich der Welpe mit dem Einleben und der Anpassung an unsere Gepflogenheiten schwertäte. Dass sie sich ängstigen könne vor all‘ dem Unbekannten, das sie erwartete.

Doch weit gefehlt. Bewundernswert wie souverän und selbstbewusst sie alles meistert. Eingedenk der Tatsache, dass auf dem Hof fünf alteingesessene Hunde leben, die es dem Neuling nicht gerade leicht machen. Allen voran meine Hündin Lotta-Filipa, die sich anfangs reichlich schwer damit tat, meine Aufmerksamkeit und Zuwendung nun mit einem nervigen Welpen teilen zu müssen. Beirren ließ sich Käthe davon nicht. Sie gab penetrant ihr Bestes, um sich einzukratzen, womit sie Lotta-Filipa in die Flucht schlug. Inzwischen sind die Beiden aber auf einem guten Weg ein Dream-Team zu werden.

auf bestem Weg © GvP

Ihre Geschäfte erledigte der Neuankömmling von Tag Eins an draußen. Die Teppiche, die ich vor ihrer Ankunft in Sicherheit brachte, kann ich wieder ausrollen, Kabel wieder an Steckdosen anschließen und Schnürschuhe, die vorsichtshalber außer Reichweite gelagert wurden, an die gewohnten Plätze zurückstellen. Und sogar das Trainingsprogramm „Ein Welpe ist allein zu Hause“, dass ich mir im Vorfeld für die Praxis zurechtgelegt hatte, getrost ad acta legen. Käthe kommt prima ohne mich in der Wohnung zurecht. Sie genießt es offenbar sogar, wenn nichts passiert, sich nichts bewegt. Dann muss man nämlich nicht andauernd Obacht haben, ob es etwas zu Fressen oder Neues zu entdecken gibt.

Eine Marotte allerdings hat sie. Käthe zwickt gerne und ausdauernd in meine Hosenbeine. Demnach war der Schnellkurs „Bücherdiebe am Hosenbein bzw. Rockzipfel fassen“ keine gute Idee.

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