Käthe?! Lotta-Filipas Tagebuch. Klappe, die Erste

Ganze neun Jahre lang hatte ich ein gutes Leben. Ein sehr Angenehmes. Gesine fiel nicht besonders auf. Zwar stieß sie mit ihrer eigenwilligen Devise „Mit Liebe erzieht man einen Hund“ in der hundeerfahrenen Szene auf Kopfschütteln. Mir tat das gut. Knappe, eindeutige Kommandos, barsche Töne oder gar eine strenge Hand blieben mir weitestgehend erspart. Gesine teilte sich mir lieber mit. Ausschweifend! „Lotta-Filipa. Bleib! Du solltest zudem hier Sitz machen. Dort kommt ein Auto und es besteht Gefahr, so du am Straßenrand nicht anhältst und Sitz machst. Anderenfalls könntest du unter die Räder kommen. Das tut weh. Im schlimmsten Fall könntest du dir eine schwere Verletzung zuziehen. Oder sogar tödlich verunglücken Das wollen wir doch nicht?“

Lotta-Filipa – Einzelköter © GvP

Noch ein Beispiel? Bitte sehr: „Lotta-Filipa. Bitte unterlasse es, am Schnürsenkel meines Schuhes zu knabbern. Das Paar trage ich besonders gerne und Ersatz für gelbe Schnürsenkel ist nur schwer zu bekommen. Außerdem könnten deinem Magen Schnürsenkel nicht bekommen. Eine Magendrehung. Ein Darmverschluss. Magst du nicht lieber ein Leckerli?“

ich bin perfekt ! © GvP

Zwei Signalworte aus dem ganzen Geschwurbel blieben anfangs spontan bei mir hängen: Leckerli und Sitz. Relativ schnell hatte ich zudem heraus, dass die beiden Begriffe unmittelbar zusammenhängen. Wer brav Sitz macht (und dabei bestenfalls noch schöne Augen macht), bekommt ein Leckerli. Und Gesine? Die wähnte sich mit ihrem Erziehungsstil auf einem guten Weg. Mir war das sehr recht.

Später lernte ich aus dem Geschwafel weitere Anweisungen herauszufiltern, die ein Hundeleben – damals noch in der Stadt – leichter machen können. Ich begriff, dass Platz, Bleib, Warte, Anschnallen, Hier und Pfui manchmal Sinn machen. Dass man dann gut beraten ist, ihnen Folge zu leisten. In gewissen Situationen, versteht sich. Andererseits gibt es mindestens genauso viele Momente, in denen solche Kommandos meines Erachtens völlig nutzlos sind. Dann stelle ich meine Stehohren auf Durchzug. Dass Gesine daraufhin noch wortreicher lamentiert, nehme ich für meine Freiheit gerne in Kauf.

Neuzugang Käthe © GvP

Ich habe einen Dickkopf. Typisch Terrier eben. Missraten bin ich deshalb nicht. Im Gegenteil. Ich bin perfekt. Ein verwöhnter Einzelköter, wie es in der hundeerfahrenen Szene heißt, dem bisweilen eine strenge Hand fehlt. Mit diesem Ruf kann ich bestens leben. Gesine offenbar nicht. Immer wieder redete sie in den vergangenen Monaten wortreich darüber, dass alles anders wird, wenn ein Welpe ins Haus kommt. Will sie etwa den Hundehaltern, die sie belehrten, dass man nur mit Liebe und ausschweifenden Erklärungen keinen Hund erzieht, etwas beweisen? Ich bin doch perfekt!

Jedenfalls habe ich weder daran geglaubt, dass ein weiterer Hund ins Haus kommt, der mir die Position als verwöhnter Einzelköter, für den das Beste gerade gut genug ist, streitig machen könnte, noch dass Gesine knappe Kommandos kann. Ich wähnte mich in Sicherheit. Zumal Gesine ihren Worten, ihrem unaufhaltsamen Geplappere, nicht immer Taten folgen lässt. Dementsprechend fiel ich aus allen Wolken als Käthe am 12. Mai 2022 aus der Smeura bei uns ankam. Kaum hatte ich mich wieder gefangen, dachte ich mir, na das kann ja heiter werden, wenn Gesine den konsequent erziehen will, und stellte mich auf ein gar köstliches Schauspiel ein.

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