Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Nachdem meine Großmutter Helene erfahren hatte, dass ihr Ex-Mann Graf von Kanitz sich mit seiner zweiten Frau Irma auf Anraten der Amerikaner in die Schweiz abgesetzt hatte und Melkof sozusagen „herrenlos“ geworden war, machte sie sich mit den beiden Kanitz-Erben, der sechsjährigen Jelka und dem 11 Jahre alten Michael, nach Mecklenburg auf. Dort war das …

weiterlesen

So glücklich wie nie zuvor ist meine Großmutter Helene auf Melkof gewesen. An der Seite eines begüterten Grafen, Herrin auf einem Schloss und über viele Bedienstete. Graf von Kanitz ist drei Jahre jünger gewesen als sie und von eher schüchterner Natur. Es heißt, dass er von der erfahreneren attraktiven Frau, die in erster Ehe bereits …

weiterlesen

Das an einem See gelegene Schloss Melkof im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim – ab 1934 Heimat meines 1928 geborenen Vaters – liegt nur wenige Kilometer von meinem neuen Wohnort in Rosien entfernt. Mit einer Wohnfläche von mehr als 4.800m² zählt das Anwesen heute zu den größten, in Norddeutschland gelegenen Herrenhäusern. Es liegt inmitten einer im englischen …

weiterlesen

Über das Schicksal meines Großvaters Bernhard, einen Ritter der besonders traurigen Gestalt, habe ich berichtet. Schwer hat ihm der Verlust des Familienbesitzes zugesetzt, noch härter aber traf ihn die Entscheidung meiner Großmutter Helene, ihn mit den gemeinsamen drei Söhnen zu verlassen. Bis zu dem tödlichen Granatenschuss an der Ostfront im April 1944 hat er gehofft, …

weiterlesen

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich intensiv mit der Geschichte meiner Familie beschäftigt; genauer gesagt: mit meinen „Ahnen im Schatten“, über die mir so gut wie nichts bekannt gewesen ist. Eine für meine Generation nicht untypische Feststellung. Unsere Eltern waren nach 1945 auf die Zukunft fokussiert, die Vergangenheit ist kein Thema gewesen. Abgesehenen …

weiterlesen

Nach Rückzugsgefechten der Deutschen hatte sich der Krieg im Osten nach Moldawien und Rumänien verlagert. Die 320. Infanterie-Division, bei der mein Großvater Bernhard für das Grenadier-Regiment 586 verantwortlich zeichnete, musste sich aus ihren Stellungen nordwestlich von Kirowograd zurückziehen. Man überquerte den Bug und stieß Ende März 1944 süd-ostwärts von Balta auf übermächtige russische Truppen. Durch …

weiterlesen

„Meine Kameraden sterben an der Front und ich sitze in der warmen Stube in Jägerndorf herum.“ So soll mein Großvater Bernhard, der seit 1939 in Jägerndorf im Sudetenland ein Wehrbezirkskommando leitete, seinen Wunsch erklärt haben, wieder an der Front kämpfen zu wollen. Dass Krieg keine Option ist und der Tod auf Schlachtfeldern niemanden zu einem …

weiterlesen

Nach herben Verlusten, nämlich des Vaters, des Familienbesitzes, der geliebten Ehefrau mit den drei Söhnen und der kleinen Pachtung Schwundnig fand mein Großvater Bernhard in Breslau, wo Anfang 1933 über 480.000 Arbeitslose gezählt wurden, tatsächlich eine Anstellung: auf Provisionsbasis als Agent bei der Winterthur Versicherung. Schwer vorstellbar, dass er in der wirtschaftlich schweren Zeit viele …

weiterlesen

Am 19. April 1930 war Ernst-Ludwig von Jagow, der Vater meiner Großmutter Helene, verstorben. Neun Monate später schloss Ur-Großvater Wilhelm von Prittwitz und Gaffron seine Augen für immer. Über ihn habe ich im Zuge meiner Recherchen zu meinen „Ahnen im Schatten“ Erstaunliches ans Licht gebracht habe. Im wahrsten Sinne des Wortes ist er aus der …

weiterlesen

Am 19. April 1930 ist der Vater meiner Großmutter Helene Ernst-Ludwig von Jagow, ehemals Oberpräsident von Danzig und Westpreußen und in Brandenburg an der Havel amtierender Domherr, im Alter von 76 Jahren verstorben. Die Anteilnahme am Tod seiner Exzellenz, wie er allgemein genannt wurde, war groß. Unzählige Beileidsbekundungen und Kränze. Angeführt hat den Trauerzug Reichskanzler …

weiterlesen