Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Menschen sind eine gar sonderbare Spezies. Hätte ich mitgewerkelt bei der Evolution, hätte ich ihnen eine Portion Instinkt mitgegeben. Menschen durchdenken die Dinge. Ohne Überlegung oder Erfahrungen das Richtige zu tun, geht ihnen ab. Ein Paradebeispiel dafür, dass man mit krampfhaftem Nachdenken nicht immer weit kommt, ist die Suche nach einem geeigneten Namen für mich. …

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Die Gartensaison hat begonnen. Die Dritte. Wohlgemerkt: erst die Dritte in meinem Leben, da bis zu meinem Umzug nach Rosien keine Notwendigkeit bestand, zu gärtnern. Erstens: ich war nicht interessiert. Zweitens: meine Lebensumstände forderten derartige Fertigkeiten nicht ab. Und Letztens: meine Hinwendung zu Botanik, Floristik und Vegetation beschränkte sich darauf, in Gärten und Parks zu …

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Woran könnte es liegen, dass Zusteller mit der Postleitzahl 19273 bisweilen nicht klarkommen? Dass an mich adressierte Post sogar umetikettiert wurde, weil sich der zuständige Bearbeiter von DHL mit der 19273 offenbar komplett überfordert fühlte? Mutmaßlich hängen die Schwierigkeiten, die ortsunkundige Fahrer mit der Postleitzahl haben, mit der jüngeren Geschichte von Amt Neuhaus zusammen, die …

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19273? Der geneigte Leser mag sich fragen: ein numerisches Orakel? Ein Zahlencode mit dem sich ein Safe oder ein Schließfach knacken lässt? Eine Kombination, die die Büchse der Pandora mit innenliegenden Übeln öffnet? Oder schlichtweg die Quersumme von 22? Gefragt ist weder noch, sondern das, was im Deutschen Reich 1941 zunächst als zweistellige Ziffer eingeführt …

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Ehre hat der Winter seinem Namen bisher nicht gemacht. Abermals keine weiße Pracht wie ich sie aus meinen Kindertagen vage in Erinnerung habe. Statt schnee- ist die Jahreszeit regenreich gewesen. Allein im aktuellen Kalendermonat sind in den ersten zehn Tagen solche Mengen gefallen wie in anderen Jahren im gesamten Februar. Die Wiesen und Bäume entlang …

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Seit einigen Tagen lässt mich ein Wort nicht mehr los: Hinterland. Positiv konnotiert! Gemeint ist das Land hinter meinem Grundstück in Rosien. Eine weite Fläche so der Mais, der gemeinhin den Blick verstellt, geerntet ist. Eine Oase direkt hinter meinem Haus. Auch für Vögel, die ihr Winterquartier dort bezogen haben. Ein wasserreiches Land, wenn die …

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Im Winter zeigt sich die hiesige Landschaft für mein Dafürhalten von ihrer besten Seite. Zwar nicht ihre Sonnenseite, denn die scheint in der kalten Jahreszeit in den Elbtalauen so gut wie nie. Wenn die Bäume und Sträucher entlaubt sind, auf den Feldern und Wiesen nichts mehr wächst, offenbart sich eine Kargheit, die üppig ist. Nichts …

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Eine weit verbreitete Unwahrheit über das Leben auf dem Land lautet, dass man dort entschleunigt. Meine Erfahrung ist eine andere: wer auf dem Land lebt, muss sein Tempo beschleunigen. Gemächlich gehen es hier allenfalls die Kühe und Schafe auf den Weiden an. So sie nicht schlafen oder träge dösen grasen sie genüsslich. In aller Ruhe. …

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Zu den fixen Ideen der Städter, die von einem Leben auf dem Land träumen, gehört die Vorstellung, dass es auf dem Land ruhig ist. Vielleicht fällt der Blick des lärmbelästigten Städters just in diesem Sehnsuchtsmoment auf eine weit verbreitete Hochglanzzeitschrift, die die Vorzüge eines Lebens in abgeschiedener Natur in Szene setzt. Eine Kuh grast auf …

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Bislang habe ich der Zubereitung von Mahlzeiten kein Vergnügen abgewinnen können. Meine Kochkunst – ein Euphemismus – beschränkte sich auf das Erhitzen von Wasser, um Nudeln al dente und wachsweiche Sechs-Minuten-Frühstückseier zu kochen. Mein kulinarisches Highlight gipfelte in einer Bolognese, die ich unter Zuhilfenahme einer Fertigtomatensauce mit einem scharfen Namen anrührte. So es mir gelegentlich …

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