Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Da der Mai verregnet war, fiel das Gärtnern dem Wasser zum Opfer. Naiv wie ich in der Sache (noch) bin, redete ich mir ein, so der Wonnemonat seinem Namen keine Ehre macht, muss ich im Garten nichts machen. Zu meiner Ehrenrettung sei angemerkt, dass der Garten im Mai seinem Namen ebenfalls keine Ehre gemacht hat. …

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Ein Jahr und ein Monat ist der Umzug nach Rosien in die idyllische Elbtalaue heute exakt her. Einerseits hat sich in dieser Zeitspanne viel ereignet. Auf dem Grundstück! Darüber hinaus ist aber leider nichts passiert. Das gesellschaftliche/öffentliche Leben stand coronabedingt auch in der Gemeinde Amt Neuhaus still. Der traditionelle Frühjahrsempfang des Bürgermeisters konnte im letzten …

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Seit einiger Zeit schlage ich neue Töne an. Setze einen Vorsatz um, der mich genau genommen seit Kindertagen begleitet. Nämlich als ein Leihklavier ins Haus gekommen war und wöchentlich eine Lehrerin. Die aber nicht mir, sondern meinem jüngeren Bruder Stunden gab. Mir hatte meine Mutter ein anderes musisches Fach zugedacht. Ballettunterricht. Geschadet hat mir das …

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Bislang habe ich, wenn der Frühling erwacht ist, häufig an Frank Wedekind denken müssen. Jedoch nicht an sein bekanntes Drama, sondern an dessen erotische Tagebücher, die Gerhard Hay (1939 – 2014) einst transkribiert und 1986 herausgegeben hat. Ein Werk, das zu jenen gehört, die ich in Ehren halte. Weniger wegen der darin befindlichen intimen Widmung …

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Schnee? Eine Kindheitserinnerung: Rodeln, Schneeball-Schlachten, Schneemänner gegebenenfalls Schneefrauen bauen. Kalte Finger und Füße. Ihr Kribbeln beim Betreten der warmen Stube. Bestenfalls roch es nach Apfel und Zimt. So ein Bratapfel im Ofen auf mich gewartet hat. Weit zurückliegende Erinnerungen an schneereiche Winter. Seit langem ist es mir ein Bedürfnis gewesen, mich einmal wieder an einem …

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Im April 2020 bin ich in Rosien sesshaft geworden. In der Gemeinde Amt Neuhaus, die sich über 230 Quadratkilometer östlich entlang der Elbe erstreckt. Als ich das verwilderte Grundstück – den ehemaligen Platz 18 – erworben habe, hatte es Jahrzehnte brach gelegen. Von Früher zeugten noch Überreste von Stallungen und ein völlig zerfallenes Hauptgebäude mit …

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So sich ein Städter mit dem Gedanken trägt, aufs Land zu ziehen, kommen alsbald die Bedenkenträger ins Spiel. Jene, die es vermeintlich gut mit einem meinen, und vor allem die, die einen besonders gut zu kennen meinen. „Du bist eine (Groß-)Städterin.“ „Was willst du im Dorf?“ „Dort gehörst du nicht hin.“ „Landleben?! Das steht dir …

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Es geht ja die Rede, dass die Adventswochen und die Weihnachtsfeiertage die „stade Zeit“ seien. Die stille Zeit… Dem Lebensgefühl vieler entspricht das wohl eher nicht. Hier fühlt sich die Zeit aber momentan tatsächlich stade an. Seitdem die Temperaturen sinken und die immer früher einsetzende Dunkelheit Mensch, Tier und der Natur vorgaukelt, dass die Tage …

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Städter, die damit liebäugeln, in ländliche Regionen zu ziehen, verbinden damit vielfach den Wunsch, auf dem Land entschleunigen zu wollen. Eine idealtypische Vorstellung, hinter der schlechthin das Vorurteil steht, dass es auf dem Land langsamer zuginge als in der Stadt. Für mein Dafürhalten ist das ein weit verbreiteter Irrtum. Denn auf dem Land, so zumindest …

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Wer meint, auf dem Dorf sei nichts los, der kennt Rosien in der Elbtalaue nicht. Kaum kommt die Nacht, tobt hier der Bär! So laut, dass Hundi – seitdem die Tage kürzer geworden sind – bei einbrechender Dunkelheit in Rage gerät. Offensichtlich schlägt Lotta-Filipa das nächtliche Treiben nicht aufs Gemüt, sondern auf die Ohren. Kein …

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