Rosiener Notizen

Vom und über das Land

Anders als in Berlin weiß ich hier jene Phase im Jahr zu schätzen, in der die Tage kurz sind. Und das, obschon die Winterzeit in der Stadt sehr viel heller ist als auf dem Land. Licht bricht dort Dunkelheit. Anders in meinem Dorf.

führt ins Nichts? © GvP

Straßenbeleutung ist hier eher spärlich gesetzt; das Licht der Laternen milchig und der Radius, den sie werfen, spärlich. Autos, deren Scheinwerfer kurzfristig Lichtkegel ins Dunkle bringen, fahren an meinem Haus ab dem frühen Abend nur selten vorbei. Auslagen und Geschäfte, die in den Städten fürs lukrative Weihnachtsgeschäft zweckvoll illuminiert sind, rechnen sich auf dem Land nicht. Man sucht sie hier vergeblich. Ebenso wie Rentiere, die aus bunten Glühbirnen röhren, um die Herzen der Menschen mit Licht zu erfüllen. Oder erleuchtete Weihnachtsmänner aus Jute, die mit schwerbeladenen Rucksäcken in Berlin an vielen Fassaden hochklettern.

im Dunkeln: Klarsicht? © GvP

Sogar in der Adventszeit und an den Weihnachtstagen: hier ist Dunkel dunkel. Stockdunkel. Viel fehlt nicht zum Schwarz. Insbesondere in den grauen Monaten November und Dezember, wenn kein Sonnenlicht in die kurzen Tage fällt. Wolkenverhangen funkelt dann kein Stern und auch der Mond kann sein fahles Licht nicht werfen.

Mit dem Dunklen wird es hier ruhig. Kein Flügelschlag der Graugänse mehr, kein Ruf der Schreischwäne, die tagsüber in Scharen über das Land ziehen. Ganz still. Nichts rührt sich, allenfalls ein Rascheln in der Ferne. Mutmaßlich der Waschbär. Oder ein Marder? Vielleicht der Fuchs.

Je schwärzer, desto stiller ist es auf dem Land. Das macht was mit einem! In reizloser Umgebung zu sein, schärft die Sinne; macht offenbar auch dünnhäutiger. Das schaudert und beglückt einen zugleich.

2 Gedanken zu “Auf dem Land ist Dunkel dunkel

  1. Pega Mund sagt:

    weder die röhrenden rentiere noch die erleuchteten weihnachtsmänner, die es hier (suburb muc) zuhauf gibt, würd i vermissen.

    als kind in einem 100-seelen-dorf erlebte ich intensive winter, dunkel, viel schnee, mond vielleicht, sterne, milchstraße – und es war still in den winternächten, wirklich still.
    die erfahrung solcher stille, solchen dunkels zu machen, finde i sehr wertvoll …

    liebe grüße!
    pega

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    1. ich bin dankbar, nahezu demütig geworden, ob des Dunklen und der Stille, die ich auf dem Land erleben darf. Ein Hochgenuss!

      Gefällt 1 Person

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