Die Lust am Kochen. Klappe, die Erste

Bislang habe ich der Zubereitung von Mahlzeiten kein Vergnügen abgewinnen können. Meine Kochkunst – ein Euphemismus – beschränkte sich auf das Erhitzen von Wasser, um Nudeln al dente und wachsweiche Sechs-Minuten-Frühstückseier zu kochen. Mein kulinarisches Highlight gipfelte in einer Bolognese, die ich unter Zuhilfenahme einer Fertigtomatensauce mit einem scharfen Namen anrührte.

So es mir gelegentlich nach anderem gelüstete als nach Nudeln mit Bolognese oder wahlweise mit grünem und rotem Pesto, das ich gelegentlich mit in Öl und Knoblauch eingelegten Garnelen verfeinerte, griff ich zu vorgefertigten Lebensmitteln, die dank boomendem Convenience Food reichhaltig zur Auswahl stehen. Für mich jedenfalls so lange, wie ich in Großstädten gelebt habe.

Was kommt auf den Tisch? © GvP

Dann zog ich aufs Land. Die Besorgnis, ich müsste auf meine Grundnahrungsmittel verzichten, erwies sich als unbegründet. Sowohl der rote Discounter wie der Edeka, der in Neuhaus als Reminiszenz an eine längst untergegangene real existierende DDR den Namen „Konsum“ trägt, führen die Fertigsauce mit den scharfen Namen. Nudeln und Pesto gehören ebenfalls in ihr Sortiment, wenn auch nicht jene Sorten, die ich besonders mag.

Für die Grundversorgung war somit gesorgt. Die Variationen, die Abwechslung in mein Ernährungsallerlei bringen sollten, ließen allerdings zu wünschen übrig. Lachs-Fischstäbchen mit Pommes à la Chef, eine in Berlin von mir favorisierte Nudel-Alternative, fielen ebenso flach wie Pizza. Der rote Discounter führt die Marke nicht, die mein Gaumen für fluffig-knusprig hält, und der Konsum hält die Marke zwar vorrätig, aber davon allerdings nur solche Sorten, die ich nicht mag.

Zurückgeworfen auf mein Grundnahrungsmittel Nudeln mit Pesto oder Bolognese, schwante mir, dass der Umzug aufs Land doch eine Konsequenz mit sich brachte. Dass ich gut beraten wäre, meine Haltung zum Kochen zu verändern. Der Gedanke war gut. Freilich haperte es an der Umsetzung, da ich keinerlei Lust verspürte, mich näher auf das Thema einzulassen. Auf den Tisch kam weiterhin das, was ich aus dem EffEff kann: Nudeln mit Pesto oder Bolognese.

Eines Tages hatte ich das Einerlei satt. Woraufhin ich begann, mich mit der Zubereitung von Bolognese zu beschäftigen. „Prittwitz“, sagte ich zu mir. (Wenn ich mich am Riemen reißen soll, nenne ich mich bei meinem Nachnamen). „Prittwitz! Wenn das Hack anbrät, stehts du nichtsnutzig am Herd herum. Neben dem bisschen Umrühren, das dir gelegentlich abverlangt ist, könntest du Gemüse schnippeln und die Bolognese damit variieren.“

das Standardgericht © GvP

Der Vorschlag leuchtete mir ein. Ich folgerte daraus: „Während Hackfleisch vor sich hin brät könnte man tatsächlich Zweckvolleres tun als vor dem Herd herumzustehen, um bisweilen in der Pfanne herumzurühren. Man kann derweil durchaus Gemüse kleinschneiden und zur Bolognese geben. Das wäre womöglich eine willkommene Abwechslung im Speiseplan und zudem gesünder.“

Angefangen habe ich mit Paprika. Dann artete die Zubereitung von Gemüse aus mir unerfindlichen Gründen aus. Die Experimente mit verschiedenen Gewächsen wurden immer waghalsiger. Schließlich musste für mein Gemüse-Potpourri sogar eine größere Pfanne her. Nachdem ich in Mengen gelbe Paprika, Kürbis und Karotten zum Hack gegeben hatte, stand ich vor einem neuen Problem. Zu Nudeln schmeckt das nicht!

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